Sebastian Laub, 3. Platz beim Studentenwettbewerb 2009/2010

Xella-Studentenwettbewerb-Sebastian-Laub

Bitte stellen Sie sich kurz vor?

Ich habe bis 2010 an der TU München Architektur studiert. Als junger Absolvent stelle ich mich gerade den Herausforderungen, die der Beruf des Architekten mit sich bringt. Nach verschiedenen Praktika im Raum München bin ich nun im Ausland tätig und sammele dort internationale Erfahrung.

Warum haben Sie beim Xella Studentenwettbewerb mitgemacht? Was war Ihre Motivation?

Vom Xella Studentenwettbewerb hatte ich schon einiges gehört. Bis sich im Jahr 2009 dann die Möglichkeit ergab, im Rahmen eines einsemestrigen Entwurfs am Lehrstuhl für Integriertes Bauen am Wettbewerb teilzunehmen. Anreiz war für mich, meinen Entwurf einem Publikum zur Diskussion zu stellen, das weit über die Grenzen meiner Hochschule hinausgeht.

Ihr Projekt wurde 2009 aus Hunderten von Vorschlägen ausgewählt. Worin bestand die größte Herausforderung?

Die Teilnehmer des Wettbewerbs standen damals vor einer schwierigen Aufgabe. Es ging um nicht weniger, als ein Museum mit reichhaltigem Raumprogramm an einem städtebaulich sensiblen Ort in direkter Nachbarschaft zur Museumsinsel zu planen. Am schwierigsten war dabei für mich, mit der eigenwilligen Geometrie des Grundstücks, eine Art unsauber gezeichnetes Dreieck, umzugehen. 

Was bedeutet der Preis für Sie?

Als ich beim Rückfragekolloquium in Berlin in einem vollen Hörsaal mit fast 900 Mitteilnehmern saß, rechnete ich mir überhaupt keine Chancen auf einen Preis aus. Daher war die Überraschung groß, als ich die Mitteilung über meinen Gewinn erhielt. Der Termin der Preisvergabe war dann ausgerechnet eine Woche vor Abgabe meines Diploms. Während der langen Zugfahrt von München nach Berlin habe ich an meinem Laptop Pläne gezeichnet. Der Preis hat mir viel Motivation und Selbstvertrauen gegeben, was mir zu dem Zeitpunkt außerordentlich entgegen kam.

Haben Sie einen Tipp für die aktuellen Teilnehmer?

Den zukünftigen Teilnehmern kann ich nur empfehlen, sich nicht zu voreilig auf eine Idee festzulegen. Nicht jede Idee passt auf jede Situation und Aufgabe. Wer sein Konzept gefunden hat, sollte jedoch daran festhalten. Man benötigt dann noch viel Zeit um es auszuarbeiten und anhand von Plänen und Modellen die Geometrien zu lösen.

Die Pläne sollte man letztendlich nicht mit Informationen überfüllen. Ein gutes Konzept sollte anhand seiner Pläne und einigen weinigen Visualisierungen erkennbar sein.

Wie haben Sie den Wettbewerb erlebt?

Das erste Drittel meiner Bearbeitungszeit habe ich in eine ausführliche Recherche investiert. Erst danach habe ich mit ersten Konzeptstudien begonnen und mich letztendlich auf eine Idee festgelegt. Zu den fertigen Plänen war es dann noch ein weiter und anstrengender Weg. Es war schmerzlich aber wichtig, die grundlegende Geometrie des Entwurfs immer wieder zu überarbeiten und anzupassen. Am Schluss wäre ich beinahe nicht fertig geworden. Am Abgabetermin stand ich um 19:55 Uhr mit meinen Plänen am Postschalter. Das Postamt schloss fünf Minuten später.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz:

„Architektur bedeutet für mich....“ den Unterschied zu einer reinen Lösung einer Bauaufgabe sichtbar machen.

Was haben Sie mit dem Preisgeld gemacht?

Für meine Diplomarbeit bin ich zur Recherche für einen Monat nach China gereist. Ohne das Preisgeld wäre das nicht möglich gewesen.

Wie war die Zeit nach dem Wettbewerb?

In der Zeit danach, habe ich in einem Münchener Büro an verschiedenen Wettbewerben mitgearbeitet. Die gewonnenen Erkenntnisse der Teilnahme am Xella Wettbewerb waren für mich dabei sehr wertvoll. Als ich mich später bei anderen Büros beworben habe, kam die Wettbewerbsurkunde natürlich in die Bewerbungsunterlagen.

Was machen Sie heute?

Seit ca. einem Jahr arbeite ich in einem deutschen Architekturbüro in Peking. Dort habe ich bisher vor allem Stadtplanung betrieben. Momentan arbeite ich an einem Projekt für Harbin mit etwa 1.2 Mio. m² Geschossfläche. Das Projekt vereint Wohnen, Hotel, Shopping, Verwaltung, Konferenzzentrum und Ausstellungsflächen bei einer Geschossflächenzahl über 4,0.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich betrachte meine Zeit hier in Peking als eine Art „Trainingslager“ um Erfahrung zu sammeln. In ein bis zwei Jahren möchte ich in meine Heimat München zurückkehren und als Angestellter arbeiten. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen mich selbstständig zu machen, was aber vielleicht erst in 10 Jahren stattfinden soll.

Was ist Ihr Lieblingsgebäude? Haben Sie eins?

Statt über ein Lieblingsgebäude möchte ich lieber über Baukultur reden. Die Baukultur hierzulande gilt als verkopft und langatmig. In anderen Ländern ist sie schneller, gewagter und radikalter. Trotz der angenehmen Frische, die man dort in der Architektur spürt, gilt für mich: Komplexität und Langatmigkeit sind wichtige Vorraussetzungen für die Qualitäten, die meine Lieblingsgebäude auszeichnen.