9. Juli 2008

Bericht des Magazins "Stern" vom 10. Juli 2008

Stellungnahme von Xella und Haniel
Zu keinem Zeitpunkt bestand bei diesem viele Jahre zurückliegenden Produktfehler eine Beeinträchtigung der Statik des Baukörpers oder eine Gefährdung von Menschen durch Einsturzgefahr. Dies ist durch Gutachten belegt. Zudem haben wir zu keinem Zeitpunkt einem unserer Kunden durch die Verwendung von Recyclingstoffen bei der Produktion von Kalksandsteinen vorsätzlich Schaden zugefügt.

Eine Warnpflicht hat nicht bestanden, weil zu keiner Zeit Gefahr für Leib und Leben bestanden hat und auch jetzt nicht besteht. Der Sachverhalt ist seit langem im betroffenen Einzugsgebiet bekannt und die Medien haben bereits wiederholt und ausführlich darüber berichtet. Xella hat dazu im Mai 2007 eine Pressemitteilung veröffentlicht. Somit haben wir alles Notwendige getan, was rechtlich und faktisch geboten ist.

Nach Bekanntwerden der Reklamationen im Zusammenhang mit dem Einsatz von REA-Kalk haben wir betroffenen Kunden stets rasch und unbürokratisch geholfen. Dies wurde bislang durch alle betroffenen Hausbesitzer sehr honoriert.

Wir haben Grund zu der konkreten Annahme, dass derzeit Kräfte im Markt unterwegs sind, die offensichtlich das Interesse verfolgen, den in Rede stehenden Sachverhalt medial "zu vermarkten".

Chronologischer Ablauf – Kurzfassung
1987 Start mit dem Einsatz von REA-Kalk bei der Herstellung der Kalksandsteinformate 2DF und 3DF in den Werken Issum, Ratingen und Kalscheuren
1991 Auftreten vereinzelter Reklamationen
1993/94 Häufung von Reklamationen und Erkennen des Zusammenhangs zum REA-Kalk
1995 Vorzeitige Kündigung der Lieferverträge für REA-Kalk Meldung der Schäden beim Versicherer Einschalten eines Sachverständigen
2001/02 Zunahme der Reklamationen durch Meldung von Hauseigentümern.Im Interesse der Integrität des Produktes Kalksandstein übernimmt Xella die Verantwortung, obwohl keine Haftung besteht.
2007 Berichterstattung in den Medien zu Rissbildungen bei Kalksandsteinen in Ein- und Zweifamilienhäusern
2008 Bis Juni 2008 sind 265 betroffene Häuser bekannt.

Chronologischer Ablauf – Langfassung
Ende der 1980er achtziger Jahre haben die Haniel Baustoffwerke – wie in allen Wirtschaftszweigen üblich - Optimierungsmöglichkeiten im Herstellungsprozess von Kalksandsteinen untersucht. Der Einsatz von Recyclingstoffen wie REA-Kalk war zum damaligen Zeitpunkt und ist auch heute noch in vielen Baustoffbereichen ein marktübliches Verfahren. Zum Beispiel ist der Einsatz von REA-Gips bei Gipskartonplatten oder Flugasche in der Betonproduktion in der Baustoffindustrie üblich und weit verbreitet. Die damaligen Prüfmethoden führten zu dem Ergebnis, dass ein Einsatz von REA-Kalk möglich sei. Diese Steine haben der Eigen- und Fremdüberwachung entsprochen.

Eine Umsetzung erfolgte nur zur Produktion der Formate 2 DF und 3 DF, zwei von über 18 verschiedenen Formaten, und nur in einem Zeitraum von Ende 1987 bis Anfang 1996 in den drei Werken Issum, Ratingen und Kalscheuren. Vereinbarte Abnahmemengen von REA-Kalk wurden daraufhin deutlich (teilweise um bis zu 90 Prozent) reduziert. Bei den in diesem Zeitraum verwendeten Steinen der beiden Formate gab es nach der Verbauung vereinzelt auftretende Rissbildung und Abplatzungen des Mauerwerks, die auf die damals verwendete Zumischung von REA-Kalk bei der Produktion dieser Steine zurückzuführen ist. Dieser Zusammenhang wurde aber erst 1993/94 deutlich, da die Schäden nur nach einem längeren Zeitraum und nur bei einer dauerhaften Durchnässung auftreten, beispielsweise bei unzureichend gegen Nässe isolierten Kellerwänden. Dies ist der Grund, warum Schäden bisher nahezu ausschließlich im Kellergeschoss aufgetreten sind und auch nur bei einem sehr geringen Anteil der verbauten Steine.

Kalksandsteine werden aus dem Bindemittel Kalk, Sand und Wasser in Autoklaven unter Dampfdruck gehärtet. Die Steine werden in unterschiedlichen Formaten und Härteklassen produziert. Bei den betroffenen Steinen wurde ein REA-Produkt als Bindemittel (REA-Kalk) verwendet, das in Rauchgas-Entschwefelungsanlagen von Kraftwerken entsteht. Nachdem wir erkannt hatten, dass die Reklamationen in Verbindung mit dem Einsatz des REA-Kalk standen, wurde der REA-Kalk nicht mehr eingesetzt. Geschlossene Lieferverträge wurden vorzeitig gekündigt.

Eine Quantifizierung der möglicherweise betroffenen Gebäude ist schwierig und jegliche Schätzung daher unseriös. Eine Angabe über den Verbleib des Produktes ist für einen Baustoffproduzenten bedingt durch die Vertriebswege grundsätzlich schwierig, zumal Kalksandsteine in der Regel sofort verbaut werden. Nach heutigem Kenntnisstand sind nur Häuser mit Baubeginn bis spätestens 1997 betroffen.

Darüber hinaus ist offen, wofür die Steine verwendet wurden (Keller, Garage, Neubau, Renovierung etc.). Das Gros der Absatzmenge wurde in der Regel in der Nähe der Werke, also am Niederrhein, im westlichen Ruhrgebiet und im angrenzenden Münsterland unter der Marke KS ausgeliefert.

Bislang wurden von den bekannten 265 betroffenen Gebäuden (Stand: Juni 2008), überwiegend Reihenhäuser und Doppel-Haushälften, 95 Häuser saniert, davon wurden 15 zurückgekauft. Bei den übrigen 170 Häusern (davon sind 13 im Xella-Besitz) erfolgt nach vorangegangener Schadensprüfung und individueller Regelung mit den Hauseigentümern entweder derzeit die Sanierung, wurde die Sanierung zugesagt oder aber festgestellt, dass kein Schaden vorliegt.

Seit Jahren haben wir die bekannten Schadensfälle unbürokratisch, schnell und kulant gehandhabt, obwohl keine Schadensersatzpflicht besteht. Es wurden keine Klagen oder Prozesse gegen uns geführt. Wir haben uns bisher im offenen, konstruktiven Dialog mit den Hausbesitzern auseinandergesetzt und alle Schäden wurden im Einvernehmen mit den Betroffenen individuell saniert. Da wir über einen Zeitraum sprechen, der schon lange zurückliegt, ist davon auszugehen, dass kaum noch neue Schäden auftreten können, die nicht heute bereits erkennbar sind.

Auch nach einer möglichen Veräußerung von Xella wird sich Haniel weiterhin für den Sachverhalt verantwortlich zeigen.

Duisburg, den 9. Juli 2008

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