Christoph Richter, 1. Platz beim Studentenwettbewerb 2009/2010

Christoph Richter

Warum haben Sie beim Xella Studentenwettbewerb mitgemacht?

Der Ehrgeiz, sich mit bundesweiten Beiträgen zu vergleichen. Aber auch die solide Ausschreibung und die konkrete Aufgabenstellung. Viele Studentenwettbewerbe sind vom Thema her „noch freier“. Da werden meist nur offene Ideen gesucht. Es gibt wenig konkrete echte Aufgaben, die mit einem guten Ort und einem sinnvollen Programm eine herausfordernde Aufgabenstellung bilden. Klar, so was kann man an jeder Uni auch aus einer Hauptentwurf-Aufgabe bekommen, aber da wiederum fehlt der „thrill“, der Wettbewerbsgedanke als Antrieb. Auch ein gewisses kommerzielles Interesse am Preisgeld bestand, das kann ich nicht bestreiten.

Ihr Projekt wurde 2009 aus Hunderten von Vorschlägen ausgewählt. Worin bestand die größte Herausforderung?

Ein differenziertes Raumprogramm mit unterschiedlichen Nutzergruppen in einen Kontext zwischen Berliner Blockrand und Weltkulturerbe – der Museumsinsel - unterzubringen. Eigentlich war die Aufgabe total abschreckend. Zu groß, zu riesig der Plot. Zu restriktiv der Berliner Städtebau. Dabei sollte das Ganze auch noch eine „herausragende Idee“ besitzen. Wo setze ich die Idee an?

Haben Sie einen Tipp für die aktuellen Teilnehmer?

Spaß, das ist sehr wichtig. Man verbringt ja viel Zeit mit so einer Entwurfsaufgabe, und am Ende weiß man auch nicht, ob es erfolgreich wird oder nicht. Also am besten ist es, wenn man die Zeit, die man unabhängig von einer Prämierung mit solch einem Entwurf verbringt, irgendwie genießt.
Viel Austausch untereinander, viel überprüfen. Aber auch mal mies gelaunt sein, wenn es nicht läuft. Es geht um eine emotionale Bindung zum Projekt – ohne Herzblut kommt keine Seele in das Papphaus. Keine Angst haben! Es geht um die eigene Erfahrung. Es geht darum Fehler zu machen und Erkenntnisse anzunehmen. So ein Projekt entwirft sich ja nicht von allein – es braucht also auch in erster Linie viel Arbeit und Zeit. 

War es ein schwieriger Weg von der Idee bis zur fertigen Präsentation? Wie ist Ihre Idee entstanden?

Am Anfang will man ja immer alles auf einmal. Das Haus soll wundervoll aussehen, super Räume haben, funktionieren, sich absetzen und einfügen und und und ...
Für mich war nach einer gewissen Zeit klar – bei diesem Riesenklops von Haus, mit so vielen Ecken und Enden, da braucht es eine Ausgangsidee, um die sich der Rest dann dreht.
Nach einer Exkursion auf der Museumsinsel hat es dann „klick“ gemacht. Ich bemerkte, wie wichtig doch die gewöhnlichsten Dinge sind: „Aha, die Bilder brauchen Wände und gleichmäßiges Licht – hier gibt es Rundgänge, hier wird ausgestellt.“ – also habe ich all diese formalen Vorstellungen, die einem am Anfang durch den Kopf sausen bei Seite gelegt. Erst mal weg damit, egal wie das Haus am Ende aussieht. Als Erstes kümmerst du Dich mal um eine Raumidee für die Ausstellung.
So wurde für mich plötzlich die Konzeption der Ausstellung wichtig – eine Museumswelt aus geschlossenen Kabinetten und offeneren Bereichen. „Wenn diese gut wird ...“, sagte mein Betreuer, „ ... dann hat man schon viel geschafft.“ Die Hälfte der Wettbewerbsbeiträge hatte nicht einmal gezeigt, wie nun dort in deren Museumsbauten Bilder ausgestellt werden sollen – dabei war die Aufgabenstellung doch ein „Erweiterungsbau für die Alten Meister“.
Natürlich muss man aufpassen, dass sich da nicht der Hund um den Schwanz dreht. Also nicht alles nur um die eine Idee -  aber in gewisser Weise drehte sich bei dieser Aufgabe doch alles um die Unterbringung der Dauerausstellung. An dieser zu arbeiten - das war das Spannendste und hat am meisten Spaß gemacht.
Dann kann man auch bei den anderen funktionalen Forderungen einer solchen Aufgabenstellung Abstriche machen - um die vordergründige Idee mehr zu „pushen“. Dieses Abwägen und Entscheiden, an welcher Stelle biege ich wie ab, wann gehe ich vor, wann zurück – das ist die große Herausforderung beim Entwerfen.
Dann läuft es auch plötzlich und der weitere Weg war dann zwar trotzdem schwierig, aber ich habe an das Ziel geglaubt. Das ist wichtig. Die fertige Präsentation war dann auch in gewisser Weise das Aufzeigen des gegangenen Weges.

Wie war die Zeit nach dem Wettbewerb?

Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb. Natürlich kommen neue Aufgabenstellungen und Aufgaben. Kurz den Preis genießen - Xella hatte eine wundervolle Preisverleihung mit Rahmenprogramm abgehalten – was ja auch nicht gerade selbstverständlich ist.
Das prämierte Projekt landet dann im Portfolio – mehr auch nicht – aber unabhängig davon, ob es Preis oder nicht Preis ist, landen ja viele Entwürfe erst einmal im Portfolio.

Was machen Sie heute? An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Für mich war nahe liegend, weiterhin zu entwerfen. Deshalb bearbeite ich zu meist Wettbewerbe, zum Teil in freier Mitarbeit für Architekturbüros oder in Eigenregie. Weitere Aufgabenbereiche des Berufsbildes kommen mit der Zeit so oder so noch dazu.
Des Weiteren habe ich eine halbe Stelle an der TU Dresden, die mir unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg beim Wettbewerbsgeschäft die Existenz sichert. Das Aufgabengebiet ist eher unaufgeregt: Lehre, Vorbereitung der Lehre und Mitarbeit an einer Publikation.

Was ist Ihr Lieblingsgebäude?

Die wechseln monatlich. Mal ist es ein windschiefes Fischerhaus, das ich im Urlaub in Skandinavien sehe, mal ein in der Fachpresse publiziertes Gebäude. Beeindruckt bin ich immer wieder von der spielerischen Herangehensweise spanischer Architekten. Ach ja, das Neue Albertinum in Dresden von Staab Architekten ist schon sehr gelungen und auf jeden Fall eine Reise wert!

Bitte vervollständige diese Sätze:

„Architektur bedeutet für mich…“

 „… auf der einen Seite künstlerische Ausdrucksform, auf der anderen Seite ist es eine Dienstleistung - ein job. “

„Architekten sind ...“

„… alles Mögliche: Familienväter, Workaholics, Choleriker, Freunde, Wochenendfußballer, Aussteiger ... sie sind für mich keine coolen Typen in schwarz oder mit ‘nem Schal oder so – dafür ist das, was sie machen doch nur n Haus planen – das ist zwar an sich schon wieder verdammt viel, aber auch Nichts Einzigartiges.“

Zur Person Christoph Richter

Christoph Richter hat beim Xella Studentenwettbewerb 2009/10 den ersten Platz gewonnen. Der Dresdener hat nun seit April 2010 sein Diplom in der Tasche und erzählt uns, wie er damals den Wettbewerb erlebt hat und an welchen Projekten er heute arbeitet. Für aktuelle Teilnehmer ist auch der ein oder andere wertvolle Tipp dabei.

Die Aufgabe des letzten Xella Studentenwettbewerbs bestand darin, mitten in Berlin an der Museumsinsel ein neues Museum für die „Alten Meister“ zu planen. Erstmalig stand damit der Bau eines Museums im Mittelpunkt der Auslobung.
Das Thema Museumsbau zählt zu den spannendsten Aufgaben in der Architektur, da die Bedeutung des Gebäudes als eigenständiges Kunstwerk immer mehr in den Vordergrund tritt. Über 900 Studierende bewegte die reizvolle Aufgabe zur Teilnahme.