Ein Wohnhaus als Kraftwerk

Generationen-Mix im Seniorenstift

generationenmix_Teaser
April 2010 Im Duisburger Malteserstift St. Nikolaus wird auf ein integratives Nebeneinander von Alt und Jung gesetzt. Die Planung des Architekten, die weit über die Standards des Heimpflegegesetzes hinausgeht, wurde mit Baustoffen realisiert, die den angestrebten hohen Wohnkomfort sicherstellen. Der Außenbau wurde mit Kalksandstein-Rasterelementen und der Innenausbau mit Gipsfaser-Platten ausgeführt.
generationenmix_1_seniorenstift
Horstmann Haus, Duisburg-Ruhrort

In einer Zeit, in der spielende Kinder oft als lästig empfunden und nicht selten als Ruhestörer beschimpft werden, wurde im Duisburger Vorort Ruhrort ein ebenso mutiges wie ungewöhnliches Konzept realisiert: Unter dem gemeinsamen Dach des Horstmann-Hauses-Ruhrort sind ein integrativer Kindergarten und ein Stift für pflegebedürftige Senioren untergebracht. Lediglich eine Wand trennt die in den beiden Gebäudeflügeln untergebrachten autarken Funktions-Bereiche voneinander ab. Große Bullaugen darin, hinter denen immer wieder verschmitzte Kindergesichter hervorblitzen, ermöglichen jedoch Blickkontakt und stehen für eine Gemeinsamkeit, die bei entsprechenden Gelegenheiten durch weit geöffnete Flügeltüren tatsächlich realisiert werden kann.

 

Der Bau, der den Ruhrortern von der Familie Horstmann, deren Mitglieder sich als Gesellschafter von Haniel aktiv für soziale Anliegen engagieren, im Rahmen des 250jährigen Firmenjubiläums des Duisburger Traditionsunternehmens übergeben wurde, ist Teil eines Ensembles aus insgesamt drei Gebäuden. Es umfasst außer dem Seniorenstift ein bereits früher fertig gestelltes Business Center sowie ein Medical Center. Wie kaum ein anderes Objekt symbolisiert der gesamte Komplex den stattgehabten Strukturwandel der einstigen Schifferstadt mit Schwerindustrie zum Stadtteil mit Dienstleistungsfirmen und hohem Wohnwert. Dem Düsseldorfer Architekturbüro Eller + Eller Architekten, das unter anderem das Landtagsgebäude der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt plante, ist damit die Realisierung eines städtebaulichen Konzeptes gelungen, das sich harmonisch in die gewachsenen örtlichen Gegebenheiten einfügt.

Generationen Mix - Kindergarten im Horstmannhaus
Generationen Mix - Kindergarten im Horstmannhaus

Dabei steht der L-förmige Baukörper, der auf seiner Rückseite halbrund ausgeprägt ist und sich mit großer Glasfassade zum dahinterliegenden Garten öffnet, ganz in der Tradition der beiden bereits fertig gestellten Bauabschnitte. Mit seiner homogenen Natursteinfassade, die ihre Plastizität aus tief sitzenden Fenstern bezieht, nimmt er die linearen Kanten der anderen beiden Baukörper auf und bildet so gleichzeitig einen wirkungsvollen Kontrast zur umliegenden Bebauung. Die Höhe von nur vier Etagen demonstriert die konsequente Fortsetzung der Staffelung verschiedener Geschosshöhen und stellt den Übergang zur Reihenhausbebauung in der Nachbarschaft her.

 

Die Kombination von Kindergarten und Seniorenstift war von Anfang an ein wichtiger Punkt bei der Konzeption des Gebäudes. Das Stift ist ausgelegt auf 80 Bewohner, der größte Teil der Pflegeplätze ist der stationären Pflege vorbehalten. Zusätzlich sind zwei Wohnbereiche für Demenzkranke vorgesehen sowie spezielle Pflegeplätze besonders für junge Schlaganfallpatienten, die hier mit entsprechenden Therapieangeboten wieder auf ein normales Leben vorbereitet werden sollen.Im Kindergarten sind zwei Spiel-Gruppen mit ca. 20 Kindern untergebracht, außerdem eine Hortgruppe für Schulkinder bis 14 Jahren. Das integrative Konzept ermöglicht auch behinderten Kindern die Teilnahme an einem ganz gewöhnlichen Kindergarten-Alltag. Entsprechend wurde auch der Kindergarten barrierefrei konzipiert.

 

Ziel der Planung war, eine Einrichtung mit hohem Aufenthaltswert zu schaffen, die mehr bietet, als es die Anforderungen des Heimpflegegesetzes vorsehen. So steht jedem Bewohner ein größeres Platzangebot in den Zimmern zur Verfügung. Großzügig ausgelegt sind zudem die allgemeinen Aufenthaltsflächen. Kinder und Senioren profitieren gleichermaßen von der Nutzung der großen Parkanlage mit altem Baumbestand hinter dem Haus, die Platz zum Verweilen und Spielen bietet.

Kern des Gebäudes ist ein lichtdurchfluteter runder Lichthof. Als offenes Treppenhaus zieht er sich durch die gesamte Höhe des Gebäudes und stellt die Verbindung zwischen den beiden Gebäudeflügeln her. Auch dort wird der helle und freundliche Raumeindruck fortgesetzt: Alle Patientenzimmer sind mit großen bodenständigen Fensterflächen ausgestattet, Flure enden mit einer raumhohen Verglasung, die den Blick ins Grüne freigibt.

 

Um einen möglichst hohen Wohnkomfort sicherzustellen, wurde im Vorfeld der Planungen viel Wert auf die Wahl des richtigen Baustoffs gelegt. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten von Kalksandstein für den Außenbau bzw. für die tragenden Innenwände. Damit kam beim Bau des Malteserstifts ein Baustoff zum Einsatz, der über besonders gute wärmespeichernde Eigenschaften verfügt. Im Sommer treten bei mit Kalksandstein erstellten Räumen nur selten Überhitzungen auf. Im Winter bieten KS-Konstruktionen den Vorteil, tagsüber Wärme zu speichern und abends wieder an den Raum abzugeben. Das Ergebnis ist ein ständig gleichbleibendes ausgeglichenes Raumklima, das den Patienten das wichtige Gefühl von Behaglichkeit vermittelt.

 

Als ideales Material zur Umsetzung der Innenraumplanung erwiesen sich Trockenbausysteme von Fermacell, die die bauphysikalischen Eigenschaften von Kalksandstein ergänzen. Durch die Trockenbauweise konnte einerseits eine flexible Grundrissgestaltung sichergestellt werden, andererseits war es so möglich, die runden Formen des Außenbaus im Inneren aufzunehmen. Eingesetzt wurde das XPR-Wandsystem W 75/100, das sich als ökonomische Alternative zu herkömmlichen Gipsplatten-Montagewänden erwies.

Neben dem Raumklima sprachen beim Bau des Horstmann-Hauses Ruhrort vor allem Zeit- und Kostengründe für den Einsatz von Kalksandsteinen. Verarbeitet wurden KS XL-Rasterelemente (KS XL-RE). Damit fiel die Wahl auf ein Bausystem, das durch seine Abmessungen und die einfache Verarbeitung einen besonders schnellen Baufortschritt gewährleistete. Es ermöglicht die Erstellung schlanker Wände, die hohen statischen Belastungen standhalten. So wurde der Materialbedarf reduziert und gleichzeitig die zur Verfügung stehende Nutzfläche - und damit letztlich auch die Wertschöpfung - gesteigert.

 

Das Regelformat mit einer Länge von 50 cm sowie zwei Ergänzungsformate mit den Längen 37,5 cm und 25 cm erlauben das Herstellen kleingliedriger Maßketten im 12,5 cm-Längenraster. Die Elemente werden in den Höhen 50 cm und 62,5 cm und in verschiedenen Wanddicken (11,5 cm, 15 cm, 17,5 cm, 24 cm) angeboten. Für die Anpassung an beliebige Wandhöhen und Wandlängen stehen außerdem Ergänzungssteine sowie Kimmsteine in variablen Höhen zur Verfügung. Dies ermöglicht eine flexible Anpassung an Geschoss- und Brüstungshöhen sowie an Öffnungsmaße von Türen und Fenstern und reduziert gleichzeitig den Sägeaufwand vor Ort. Kurzfristige Änderungen und Umplanungen können so auch während der Bauphase einfach realisiert werden. Von Vorteil ist dabei, dass auf Grund des einfachen Systems eine Erstellung von Verlegeplänen nicht erforderlich ist. Die Lieferung der Rasterelemente erfolgt just-in-time ohne Vorlaufzeit direkt auf die Baustelle.

 

Wie bei der Verarbeitung von KS-Rasterelementen üblich, wurde das Mauerwerk des Horstmann-Baus als Einstein-Mauerwerk ausgeführt. Der Aufbau der Wand geschieht grundsätzlich im Verband, das Überbindemaß beträgt mindestens 125 mm. Die dafür notwendigen Passelemente können auf der Baustelle durch Sägen hergestellt werden.

Die Verarbeitung erfolgt unter Einsatz eines Versetzgerätes im Dünnbettmörtel. Dabei werden die Steine paarweise direkt von der Palette gegriffen. So können mit einem einzigen Kranhub 0,625 m² Wandfläche versetzt werden. Durch die hohe Verlegeleistung werden gleichzeitig entsprechend günstige Arbeitszeitwerte erzielt, die je nach eingesetzter Steinhöhe und Mauerwerksgliederung zwischen 0,35 und 0,50 h/m² liegen. Die schnelle und präzise Verlegung wird durch die Ausstattung mit einer seitlichen Nut-und-Feder-Profilierung zusätzlich unterstützt. Dabei muss in der Regel lediglich die Lagerfuge vermörtelt werden.

 

Eine exakte Verarbeitung und die genaue Maßhaltigkeit der Rasterelemente sorgen für planebene Wandoberflächen, auf denen der Einsatz von Dünnlagenputz in einer Dicke zwischen 3 bis 5 mm möglich ist. Die Kombination von Dünnbettmörtel und Dünnlagenputz hat gleichzeitig zur Folge, dass Baufeuchte nur in geringem Maße eingebracht wird. Durch kurze Trocknungszeiten kann dann entsprechend früher mit dem Innenausbau begonnen werden. Im vorliegenden Fall wurde die Fassade mit einer Vorsatzschale aus Natursteinen versehen.

Sichtmauerwerk im Kindergarten

Während der Kalksandstein im Außenbau hinter einer Natursteinfassade bzw. in den Innenräumen hinter Tapeten verschwand, wurde er im Kindergarten bewusst als dekoratives Element eingesetzt. Eine halbrunde Flur-Wand aus Kalksandstein-Verblendern unterstreicht den hellen und freundlichen Raumeindruck und ist offensichtlich bestens geeignet zur Platzierung der verschiedensten Kinder-Kunstwerke.

 

Die Verarbeitung der Verblender erfolgte in Dickbettmörtel mit Fugenglattstrich, einer sehr wirtschaftlichen Technik mit optisch elegantem Ergebnis. Dabei wurde der Mauermörtel, der beim Aufmauern zwischen den Steinen herausquoll, mit einem Fugholz - alternativ kann auch ein Schlauchstück genutzt werden - glattgestrichen und gleichzeitig verdichtet. Das Ergebnis waren halbrund geformte Fugen. Weil der Mauermörtel gleichzeitig auch der Fugenmörtel ist und die Fugen in ihrer ganzen Tiefe aus einem "Guss" sind, ist ihre Farbe durch den Mauermörtel vorgegeben. Dies unterscheidet den Fugenglattstrich von der nachträglichen Verfugung, wo der Fugenmörtel nach Fertigstellung des Sichtmauerwerks in einem separaten Arbeitsgang eingebracht wird. Daher kann dabei die Farbe der Mörtelfuge unabhängig vom Mauermörtel gewählt werden.

 

Um dauerhaft ein optisch einwandfreies Erscheinungsbild des KS-Sichtmauerwerks zu gewährleisten, wurde ein Werktrockenmörtel eingesetzt, der frei von Salzen, Lehmanteilen und anderen organischen oder anorganischen Verunreinigungen ist, da diese zu Ausblühungen oder Verfärbungen des Sichtmauerwerks führen können. Der eingesetzte Mörtel wies außerdem ein auf die Saugcharakteristik der Steine abgestimmtes Wasserrückhaltevermögen auf. Wird darauf nicht geachtet, brennt er auf, da die Steine dem frischen Mörtel einen Teil des Anmachwassers entziehen

Fazit:

Der Bau des Malteserstifts "St. Nikolaus profitierte vom Einsatz eines rationellen Bausystems, das einen optimalen Personal- und Materialeinsatz ermöglicht. Die bauphysikalischen Vorteile der KS XL-Rasterelemente wurden ergänzt durch einen Innenausbau im XPR-Wandsystem mit Fermacell Gipsfaserplatten, das sich als ökonomische Alternative zu herkömmlichen Gipsplatten-Montagewänden erwies.