Ein Wohnhaus als Kraftwerk
Allianz Arena München
Deutschland bereitet sich auf die Fußballweltmeisterschaft vor: Allerorten entstehen die aufsehenerregenden Konstruktionen neuer Multifunktionsarenen aus Beton, Glas und Stahl. Das klassische Mauerwerk ist trotzdem unverzichtbar. So werden etwa in München, wo die beiden Münchener Fußball-Vereine FC Bayern und TSV 1860 gemeinsam die Allianz Arena errichtet haben, die Ausfachungen zwischen den Stahlbetonstützen der Außenwände und Treppenaufgänge sowie die Einbauten für die Kioske zur Versorgung der rund 66.000 Besucher, die Technikräume und die Umkleidebereiche mit Porenbetonsteinen erstellt.
Hochwärmende Gebäudehülle
Insgesamt kamen beim Bau der Allianz Arena eine Menge von circa 27.000 m² Porenbeton zum Einsatz. Eingesetzt wurde der Baustoff vor allem in Bereichen, in denen Wärmeschutz eine Rolle spielt. Dabei gewährleistete die Verarbeitung von 36,5 cm dicken Ytong-Steinen der Qualität PPW2/0.4 die Erstellung einer hochwärmedämmenden Gebäudehülle, die sicherstellt, dass die Wärmeverluste über die Außenwände nur gering sind.
Als zusätzliche Maßnahme zur Reduzierung der Wärmeverluste wurde die Betondecke der Ebene 2 - darüber befindet sich der beheizte Bereich - mit Mineraldämmplatten versehen. Die massiven, formstabilen Multipor-Platten (Wärmeleitfähigkeit #R =0,045W/(mK)), die unter Zugabe eines Porenbildners auf der Basis der natürlichen Rohstoffe Sand, Kalk, Zement und Wasser hergestellt werden, ergänzen die Wärmeschutzeigenschaften von Porenbeton und stellen so eine umweltorientierte Alternative zu Dämmstoffen dar, die Fasern enthalten oder aus Kunststoffen hergestellt werden. Das geringe Gewicht stellt eine bequeme Verarbeitung über Kopf sicher. Der Leichtmörtel, mit denen die Platten direkt unter der Betondecke befestigt wurden, ermöglicht eine sofortige Haftung und wirksamen Halt.
Ausschlaggebend für den Einsatz von Porenbeton beim Bau der Allianz Arena waren Kriterien wie einfache und schnelle Verarbeitung, die Erstellung weitgehend planebener Wände und - daraus folgend - geringe abschließende Beschichtungsdicken beim Verputzen. Die Entscheidung fiel, nachdem zuvor mehrere Musterwände aus verschiedenen Baustoffen erstellt worden waren. Diese Probestücke boten eine gute Basis für eine detaillierte Übersicht über die Höhe der Gesamtkosten, die sich aus der Verarbeitung der unterschiedlichen Materialien sowie aus dem abschließenden Verputzen ergeben.
Schneller Baufortschritt
Es zeigte sich dabei, dass durch den Einsatz von Ytong-Porenbeton ein schneller Baufortschritt gewährleistet werden konnte. Die eingesetzten großformatigen Planblöcke ließen sich schnell verlegen und dank ihres geringen Gewichtes und der seitlichen Grifftaschen einfach handhaben. Durch die Verwendung von Planblock-Mörtel, der lediglich in der Lagerfuge in einer 1-3 mm dicken Schicht aufgetragen werden musste - auf eine Stoßfugenvermörtelung konnte durch das Doppel-Nut- und Federsystem verzichtet werden - wurde nur wenig Feuchtigkeit in den gesamten Bau eingebracht. Somit mussten lange Trocknungsphasen nicht in den Bauablauf mit einkalkuliert werden. Nachfolgende Gewerke können so Zug um Zug parallel zur Fertigstellung des Mauerwerks eingesetzt werden.
Hinzu kam, dass die mit Ytong-Plansteinen erstellten Musterwände weitgehend planebene Wandflächen aufwiesen. Geringe Unebenheiten wurden einfach mit dem Schleifbrett egalisiert. Entsprechend konnten auch die Kosten für eine abschließende Beschichtung mit Dünnlagenputz niedriger veranschlagt werden. Die ebene Fläche vereinfacht die Anwendung von Dünnlagenputz und senkt den Verbrauch. Als zusätzlich kostenmindernd kam hinzu, dass auf eine vorherige Grundierung der Porenbeton-Wandflächen gänzlich verzichtet werden konnte.
Halbrunde Wände
Vor allem beim Bau der insgesamt 64 Kioske, sollte sich die einfache Verarbeitung der Ytong-Planblöcke bewähren. Insgesamt werden 16 Kioske mit einer Grundfläche von 13 x 25 m und einer Wandfläche von ca. 500 m² auf der großen Promenade in der Ebene 2 erstellt, die die Versorgung der Zuschauer auf dem Unter- und Mittelrang gewährleisten sollen. Weitere 48 Kioske für den Oberrang sind auf der kleinen Promenade der Ebene 6 angeordnet.
Alle Kioske wurden als gemauerte Einbauten mit halbrunden Wänden geplant. Um die vorgesehenen Radien zu realisieren, mussten die Ytong-Plansteine zunächst in drei gleichgroße Teilstücke zerschnitten werden. Diese wurden anschließend mit einer zuvor entsprechend dem Radius des Wandverlaufs angefertigten Schablone konisch nach hinten zugeschnitten und dann entsprechend dem geforderten Wandradius wieder zusammengesetzt. Die leichte Bearbeitbarkeit des monolithischen Baustoffs ermöglichte dabei exakte Zuschnitte mit der Bandsäge vor Ort.
Hoher Sicherheitsstandard
Neben einem schnellen Baufortschritt konnte beim Bau der Allianz Arena durch den Einsatz von Porenbeton gleichzeitig ein hoher Sicherheitsstandard realisiert werden. Insbesondere bei Feuer verfügt der Baustoff über zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Materialien und eignet sich daher besonders für sämtliche Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz. Als rein mineralischer Baustoff ist Porenbeton nicht brennbar und erfüllt - in Abhängigkeit von der jeweiligen Wandkonstruktion - gemäß der DIN 4102, Teil 4 ohne weitere Zusatzmaßnahmen die Anforderungen aller Feuerwiderstandsklassen von F 30 bis F 180. Dabei bewirkt die feinporige Struktur, dass die Hitze weniger stark aufgenommen wird. Im Gegensatz zu anderen Baustoffen sind bei Porenbeton auch nach längerer einseitiger Brandbeanspruchung konstante Wandtemperaturen auf der dem Brand abgewandten Seite zu beobachten. Entsprechend entstehen keine Risse im Material, Fugen und Anschlüsse bleiben sicher geschlossen. Feuer und Rauch können so nicht in andere Gebäudeabschnitte eindringen. Hinzu kommt, dass der mineralische Baustoff über eine hohe Umweltverträglichkeit verfügt, so dass im Brandfall keine zusätzlichen Gefahren durch die Bildung giftiger Gase oder durch die Entwicklung von gefährlichem Rauch entstehen.
Fazit: Durch die Verarbeitung von Porenbeton beim Bau der Allianz Arena in München kam ein Baustoff zum Einsatz, der unter Sicherheits- und Kostenaspekten gleichermaßen überzeugt. Die Ytong-Steine ließen sich trotz der hohen Anforderungen, die der Bau halbrunder Wände an die Verarbeitung stellt, schnell und präzise verlegen und gewährleisteten so einen zügigen Baufortschritt. Durch die bauphysikalischen Eigenschaften des Baustoffs konnte auf zusätzliche Wärmedämm-Maßnahmen verzichtet werden, was die Bauzeit zusätzlich verkürzte und Baukosten sparte.

