Ein Wohnhaus als Kraftwerk

Historische Kaserne jetzt Übungsplatz für Musikstudenten

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April 2010 Als 1991 die letzten Soldaten die Kaserne am Horn in Weimar verlassen hatten, erhielt die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen als Geschäftsbesorger für den Eigentümer, den Freistaat Thüringen, die Aufgabe, das Areal einer neuen Nutzung zuzuführen. Projekte dieser Dimension - vor allem, wenn es sich wie in diesem Fall um eine denkmalgeschützte Anlage handelt - wollen sorgfältig überlegt und gut vorbereitet werden.

Musikhochschule Weimar

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Durch den Einbau von Schallschutztüren wurde der Innenraum gegen bestehende Räume quasi hermetisch abgeschottet.

So dauerte es auch einige Zeit, bis für den kulturhistorisch wertvollen Hauptbau eine adäquate Funktion gefunden war. Nach umfangreichen Bauarbeiten nutzt nun seit Ende 2001 die Musikhochschule Franz Liszt das Gebäude. Beim professionellen Musizieren setzen die Lehrer nicht nur bei den Studenten strenge Maßstäbe an. Gleiches galt für den Ausbau der ehemaligen Mannschaftsräume. Zum Erlernen der Tonkunst sind eine präzise Raumakustik und hoher Schallschutz zu den Nachbarräumen notwendig. Aufgrund der vorhandenen Holzbalkendecken mussten jedoch diese extremen Anforderungen mit einer leichten Bauweise erfüllt werden. Hierfür entwickelte das mit der Ausführungsplanung und Bauleitung beauftragte Büro Rittmannsperger + Partner, Erfurt, eine ganz besondere Konstruktion. "In jeden Raum haben wir gewissermaßen eine schallschützende ,Kiste' mit integrierten Schallschutzfenstern und -türen eingestellt", erläutert das mit der Ausführung beauftragte Büro das bautechnische Grundprinzip.

Bestnoten für Schallschutz

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Dank Fermacell wurden Bestnoten für den Schall erzielt. Nach Herzenslust kann hier nun musiziert werden.

Von dieser Raum-in-Raum-Konstellation wurde ein Schallschutzwert von mindestens 72 Dezibel (dB) erwartet. Tatsächlich ergaben die Messungen im Endzustand über die Holzbalkendecke 86 dB, bei den dicken Mauerwerkswänden 80 dB und bei den Fachwerkwänden 75 dB. Um diese Werte zu erzielen, erarbeiteten zuvor Planungs- und Schallschutzbüro ein detailliertes Ausführungskonzept und testeten das Konzept in einem Musterraum.

 

Hergestellt wurde die "Schallschutzkiste" als Trockenbau-Konstruktion: An den Wänden Vorsatzschalen und abgehängte Decken, bestehend aus einer Metallunterkonstruktion mit einer doppelten Beplankung aus 2 x 12,5 Millimeter dicken Fermacell Gipsfaser-Platten. Das Beplankungsmaterial wurde vor allem deshalb gewählt, weil dieser Trockenbaustoff Stabilität und dank der hohen Rohdichte von 1150 kg/m³ besten Schallschutz ermöglicht. Die Ausbau-Platten bestehen aus einem homogenen Gemisch aus Gips und recycelten Papierfasern. Herstellungsbedingt erhält der Trockenbaustoff eine hohe innere Festigkeit und äußerst stabile Oberflächenqualität.

Zur Hohlraumbedämpfung befinden sich in der Wandkonstruktion 40 Millimeter Mineralwolle und in der Trockenbaudecke 80 Millimeter. Zwischen den Balken der alten Holzbalkendecke wurde auf den Fehlboden eine Deckenbeschwerung aus Gussasphalt eingebracht und der Hohlraum mit Mineralwolle bedämpft. Der Rohfußboden über den Deckenbalken besteht aus zwei Lagen Baufurniersperrholz, einem schwimmend verlegten Gussasphaltestrich und vollflächig verklebtem Parkett.

Schallnebenwege fest im Griff

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Der Innenausbau erfolgte komplett mit Fermacell Wand- und Deckenkostruktionen. 12.000 m2 Ausbau-Platten wurden insgesamt verbaut.

Schallnebenwege wurden bei diesem Projekt akribisch ins Visier genommen. Bekanntlich kann im Handumdrehen selbst das kleinste Leck die beste Planung kippen. Und je höher die Anforderung, desto größer die Wirkung. Präzisionsarbeit hieß deshalb die Devise. Durch den Einbau eines Schallschutzfensters sowie einer Schallschutztür in die "Gipsfaser-Kiste" wurde der Innenraum gegen die bestehenden Räume quasi hermetisch abgeschottet. Lediglich Öffnungen für Heizungsrohre, Elektroleitungen und den Raumluftbefeuchter waren noch notwendig. Letzterer wird für die konstante Raumluftfeuchte von 55 Prozent benötigt.

Akustik auf den Ton genau

Wie der Schallschutz bedurfte auch der raumakustische Ausbau viel Fingerspitzengefühl und präzises Arbeiten. Für jeden Raum war eine Nachhallzeit vorgegeben, die über das Frequenzband möglichst konstant bleiben sollte. Konzeptionell wurde die Aufgabe folgendermaßen gelöst: Die Decke ist über die gesamte Raumlänge gefaltet, wodurch das so genannte Flatterecho vermieden wird. Es entsteht normalerweise bei parallel gegenüber liegenden Flächen. An einer Längswand und der flurseitigen Querwand sind kombinierte Absorber angebracht. Die Vorsatzschalen erhielten zwei unterschiedliche Tiefenabsorber, die aus einem Holzraster mit einer Decklage aus dünnen, schwingenden Sperrholzplatten bestehen. Davor angebrachte Mineralwolle dient als Mittel- bis Hochtonabsorber. Sie werden durch Well-Lochbleche abgedeckt. Neben ihrer rein funktionalen Aufgabe verband sich mit der Wahl der Well-Lochbleche noch ein ästhetisches Ziel. Sie stellen einen gefrorenen Vorhang dar, verdeutlichen aber gleichzeitig den Werkstattcharakter der Musikhochschule.

Denkmalwert der Kaserne hervorgehoben

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Zum Erlernen der Tonkunst sind eine präzise Raumakustik und hoher Schallschutz zu den Nachbarräumen notwendig. Diese extremen Anforderungen konnten mit der leichten Bauweise erfüllt werden.

Farbige Stahlflächen am Eingang jedes Unterrichtsraums dienen als Informationstafeln. Der besseren Orientierung wegen hat man den Farbton etagenweise von Rot im Erdgeschoss über Orange bis Gelb hin zum 4. Obergeschoss abgestuft. Im Wesentlichen blieb der streng symmetrisch angelegte Baukörper jedoch erhalten. Die Kaserne entstand zwischen 1854 und 1859 nach Entwürfen von Carl Heinrich Ferdinand Streichhan, der schon allein durch ihre Dimension ein bemerkenswertes Bauwerk schuf. Nach einer behutsamen Renovierung kommt das Gebäude heute mit seiner historisierenden Architektur aus Elementen der Neorenaissance und des Burgenbaus wieder besonders gut zur Geltung. Durch die nahezu unveränderten Raumstrukturen infolge der neuen Nutzung und die Tatsache, dass auch die Flure sowie die Treppenhäuser nach wie vor dem ursprünglichen "Streichhahnbau" entsprechen, trugen Denkmalpfleger und Architekten auch der historischen Vorgabe im Inneren der Kaserne Rechnung.

 

Um die Transporte auch großer Musikinstrumente sicherzustellen, wurde in die südliche Außenwand des Mittelturms ein Aufzug eingeschoben. Dieses gläserne Bauteil steht in einem wirkungsvollen Kontrast zu dem ansonsten geschlossenen Gebäude. Altes und Neues gehen hier einen interessanten Dialog ein. Oben im Mittelturm wurde noch eine Cafeteria untergebracht. Der Westturm wurde dagegen zu einem über alle vier Geschosse reichenden Bibliotheks"turm" umfunktioniert, dessen Erschließung intern über eine leicht geschwungene Stahl-Blech-Treppe erfolgt.

Sondernutzung im Dach

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Der innere Raum hat sozusagen keine schallschutztechnische Verbindung nach außen. In die hier noch vorhandene Fensteröffnung der Trockenbauwand wurde bereits ein Schallschutzfenster vor das historische Fenster gesetzt.

Im Dachraum der Zwischenschiffe entfalten sich heute die Großräume wie der Hörsaal und der Probenraum fürs Orchester. Zur Sicherstellung dieser Nutzung wurde die alte tragende Holzkonstruktion mit ihren zahlreichen Stützen und Streben durch eine frei tragende Stahlkonstruktion ersetzt. Lediglich in einem Seminarraum blieb aus denkmalpflegerischer Sicht die alte Konstruktion erhalten. Im Vergleich zu allen anderen Räumen im Haus sind diese im Dach bei gleich hohen Anforderungen an den Schallschutz voll klimatisiert. Auch dort oben wurde das Prinzip der Gipsfaser"kiste" angewendet. Die komplette innere Schale des Dachraums vom Drempel über die Schräge und Unterdecke erhielt wieder eine doppellagige Beplankung mit Gipsfaser-Platten. Vor den Dachflächenfenstern liegt in der Beplankungsebene ebenfalls eine Schallschutzverglasung.

 

Trotz des 8,2 Mio. Euro teuren Ausbaus war die Kosteneffizienz jeder einzelnen Maßnahme wichtig. Der wirtschaftliche Trockenbau mit den Fermacell-Wand- und Deckensystemen leistete dazu ebenfalls einen Beitrag. Die erste Plattenlage wird einfach mit Schnellbauschrauben auf der Unterkonstruktion befestigt und die zweite Lage ohne Rücksicht auf die Metallständer aufgeklammert. Zeit und Geld sparte auch der Fugenverschluss mit dem Fermacell Fugenkleber, der in einem Arbeitsgang klebt und verfugt.

Gerade mit Blick auf den hohen Qualitätsanspruch verdient in diesem Zusammenhang die kurze Ausbauzeit von 14 Monaten besondere Anerkennung, was nicht zuletzt auch von der guten Teamarbeit aller Projektbeteiligten zeugt. Wie nebenbei erwähnte Büro Rittmannsperger + Partner im Gespräch vor Ort, dass Schallschutz und Akustik der Probenräume im bundesweiten Vergleich seines Wissens nach einzigartig für Deutschland seien.